Landesseminar zur Vorbereitung der Besten: Olympiareife Biologie

Was in anderen Bundesländern schon seit längerem üblich ist, konnte nun mit finanzieller Unterstützung des Kultusministeriums, des Biotechnologieunternehmens bio-rad (München), dem Schroedel-Verlag und der Universität Karlsruhe auch in Baden-Württemberg eingerichtet werden:
Ein dreitägiges Landesseminar "Jugend trainiert für die Biologieolympiade" zur gezielten Vorbereitung der landesbesten Biologieschülerinnen und -Schüler auf die bundesweite Auswahlrunden der Bio-Olympioniken.

"Ich fand die drei Tage echt super", sagte Melanie, die sich mit anderen Schülerinnen und Schülern aus Baden-Württemberg auf die nächste Runde der Biologieolympiade vorbereitete. Eingeladen nach Karlsruhe waren acht Schülerinnen und Schüler, die sich erfolgreich in zwei Runden - einer umfangreichen Hausarbeit mit theoretischem und praktischem Teil und einer zweistündigen Klausur -gegenüber Mitbewerberinnen und Mitbewerbern durchgesetzt hatten.

Die international festgelegten Anforderungen der Schülerolympiaden können im regulären Schulunterricht nicht vollständig abgedeckt werden. Von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern wird daher in der Vorbereitung ein großes Maß an Eigeninitiative und Selbstorganisation erwartet, sie müssen sich selbst, beharrlich und ausdauernd, das fehlende Wissen aneignen. Beim Landesseminar sollte nun nicht nur die fachliche, sondern auch die personale und soziale Kompetenz gefördert werden. Daher waren alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer aufgefordert, den anderen etwas weiterzugeben, das Erarbeitete zur Verfügung zu stellen, ein eigenes Spezialgebiet zu präsentieren und es dadurch allen nahe zu bringen.


Praktische Versuche im Mittelpunkt

"Ich habe viel Neues gelernt, besonders auf dem praktischen Gebiet", stellte Elena nach dem Seminar fest. Die praktischen Versuche standen im Mittelpunkt der drei Tage, denn niemand kann etwas, ohne es vorher einmal gemacht zu haben. Bestimmungsübungen an Schnecken, Muscheln und Insekten sowie die Präparation eines Regenwurmes finden in Deutschland in der Regel nur an Universitäten statt, während anspruchsvolle mikrobiologische und gentechnische Versuche auch an einigen speziell ausgestatteten Schulen durchgeführt werden können.
In Zusammenarbeit mit der zoologischen Fakultät der Universität Karlsruhe und dem Biotechnologischen Gymnasium der Johanna-Wittum-Schule in Pforzheim wurden praktische Tätigkeiten eingeübt und damit Lücken geschlossen; gleichzeitig wurden kreativ Problemlösungsprozesse erarbeitet.


Der Weg lohnt sich

Im Gegensatz zur Olympiade im Sport finden die Schülerolympiaden der Mathematik, Physik, Chemie und Biologie jährlich statt: So treffen sich die Biologinnen und Biologen aus über 40 Staaten immer im Juli und kämpfen um Medaillen. Im vergangenen Jahr war dies in Australien, in diesem Jahr wird es China sein. Teilnehmen dürfen aus jedem Staat nur vier Jugendliche; nach den landesweiten Ausscheidungen finden für Deutschland bundesweite Qualifikationsrunden in Kiel statt.
Ob nun Mitglied der Nationalmannschaft oder vorher ausgeschieden: Schon der Weg dorthin lohnt sich. Alle Teilnehmenden erhalten ab der ersten Runde Urkunden, ab der dritten Runde werden Buch- und Sachpreise vergeben, Auslandspraktika vermittelt, die Besten werden für die Studienstiftung empfohlen. In Baden-Württemberg besteht darüber hinaus die Möglichkeit, unter bestimmten Voraussetzungen die erbrachte Wettbewerbsleistung als "besondere Lernleistung" im Abitur anerkennen zu lassen. Für die besten Baden-Württemberger lohnt es sich doppelt: Sie werden vom Kultusministerium zur Nobelpreisträgertagung nach Lindau eingeladen.

Martin Röck
Landesbeauftragter der Biologie-Olympiade in Baden-Württemberg