53. Tagung der Nobelpreisträger in Lindau




Zunächst einige Eindrücke aus Lindau!


rechts: unsere Landessieger

unten links: Schifffahrt auf dem Bodensee

unten rechts: Am Büfett


Montag, der 30. Juni 2003:

Mit einem ungewissen Gefühl im Bauch fuhren Tobi und ich um ca. 5 Uhr los. (OK, 5 Uhr war wirklich etwas zu früh, Tobi wollte auch später fahren, aber ich wollte lieber auf Nummer Sicher gehen).
Nach ungefähr zweieinhalb Stundenfahrt kamen wir in Lindau an. Die Fahrt verlief ohne jegliche Hindernisse; kein Stau und keine Reifenpanne - wir waren also viel zu früh. Nach einem Zeitüberbrückungsfrühstück und einem ersten kurzen Erkundungsspaziergang durch die Lindauer Inenstadt fuhren wir dann gegen neun Uhr zum Bahnhof, um Elena und Melli abzuholen. Danach machten wir vier uns zu unserem Quartier. Nachdem wir unser Gepäck in der Pension abgestellt hatten, begaben wir uns sofort zur Inselhalle, in der die Tagung bereits begonnen hatte.
Jeder erhielt, nach der Zahlung der Tageskarten, einen VIP- Pass, die Teilnehmerliste und das Programm für die nächsten vier Tage. Die ganze Inselhalle war bestuhlt und sah aus wie ein riesiger Hörsaal. Nach einigen Begrüßungsansprachen, unter anderem von Edmund Stoiber und Professor Dr. Sten Lindahl, fand eine Podiumsdiskussion mit dem Thema " Zukunft der Medizin" statt. (Diskussionsteilnehmer: Profs. Günter Blobel, Leon Cooper, Edmond Fischer, Robert Huber, Erwin Neher, Christiane Nüsslein-Vollhard und Hamilton Smith).

Die Diskussion und alle Vorträge, die wir noch zu hören bekommen sollten, waren in Englisch. Zum Glück gab es Übersetzungsgeräte

Sehr ungewohnt für uns war auch der große Presseandrang. Ständig wurde photographiert und gefilmt. Der Mittag war frei. Nach einem Mittagessen bei Mc Donald's vertrieben wir uns die Zeit mit Sonnenbaden und Schwimmen am bzw. im Bodensee.
Abends gingen wir dann noch einmal in die Inselhalle, wo laut Programm noch ein geselliger Abend mit Essen und Tanz stattfinden sollte. Als wir die Halle betraten, waren wir erstmal baff. So ein riesiges kaltes Buffet hatte noch niemand von uns gesehen. Es war alles wie im Film. Aus dem Hörsaal vom Mittag war ein schön geschmückter Tanzsaal mit Tischreihen geworden. Leicht irritiert holten wir uns was zu Essen und setzten uns an einen der Tische. Der Abend war einfach beeindruckend. Neben uns setzten sich Wissenschaftler aus Israel, mit denen wir uns auf Englisch unterhielten, und Biochemiestudenten aus Königswinter, mit denen wir viel Zeit an den folgenden Tagen verbrachten.

Das Highlight an diesem Abend war der Walzertanz. Durch Zufall bekam man eine(n) Tanzpartner(in) zugeteilt. So kam Tobi zu der Ehre, mit der Frau eines Nobelpreisträgers, und Melli und ich mit amerikanischen Medizinstudenten zu tanzen J Elena schaute lieber amüsiert zu.
Nachdem wir noch mit den Biochemiestudenten in einem Staßencafé ausklingen ließen, kehrten wir müde in die Pansion zurück.


Dienstag, der 1. Juli:

Gleich morgens, nach dem Frühstück, brachen wir auf, um die Vorträge in der Inselhalle zu hören. Die Themen waren:

1. "Wie Proteine miteinander kommunizieren, um intrazelluläre Signale zu integrieren"
2. "Botenkaskaden bei Neurotransmitter-Ausschüttung"
3. "Hin zur zellulären und molekularen Basis für Gedächtnis: Theorie und Experiment"

4. "Von Genen und Embryonen"
5. "Wege des Proteintransportes"
6. "Proteasen und ihre Regulation - Konzepte für therapeutische Intervention"


Nur allein durch die Überschriften können Sie sich sicher vorstellen, dass dieser Tag etwas anstrengend war. Bei einigen Vorträgen fiel das Verstehen, trotz Übersetzungsgerät, ziemlich schwer.
Nachmittags fand noch eine Diskussion mit den Nobelpreisträgern statt, an der aber nur Studenten teilnehmen durften. Also gestalteten wir uns den Nachmittag selber. Nach dem Mittagessen gingen Tobi und ich joggen und Elena und Melanie machten sich über die Geschäfte von Lindau her. Dies war nach den vielen und anstrengenden Vorträgen eine gute Abwechslung. Nur das Wetter war nicht so toll, es regnete.
Abends wurde ein Weißwurstessen in der Inselhalle veranstaltet. Hier hatten wir dann wieder die Möglichkeit, mit anderen Teilnehmern interessante Gespräche zu führen. So lernten wir eine Delegation der Bundeswehr aus vier Chirurgen kennen. Außerdem wollten wir uns auch nicht das kostenlose Essen entgehen lassen Danach gingen wir mit ca. 30 Studenten in eine Cocktailbar.


Mittwoch, der 2. Juli:

Am Morgen fand wieder eine Podiumsdiskussion statt. Aber nun mit anderen Nobelpreisträgern ( Profs. Werner Arber, Rudolph Marcus, Hartmut Michel, Rudolph Mösbauer, Bert Sakmann und Torsten Wiesel)
Das Thema hieß "Von Grundlagenforschung zur klinischen Praxis".
Anschließend gingen wir mit den Biochemiestudenten italienisch Essen. Am Nachmittag fand wieder eine Diskussion für Studenten statt. Was wieder Freizeit für uns bedeutete. Wir schlenderten durch die Altstadt von Lindau, aßen Eis und fuhren Tretboot. Zum Glück hatten wir gutes Wetter - besseres als am Dienstag. Danach fingen wir schon mit Packen an, damit wir am nächsten Tag keine Hektik haben.
Am Abend war der Besuch eines klassischen Konzertes als Programmpunkt vermerkt. Leider gab es nur eine bestimmte Anzahl an Karten und als wir uns nach vier für uns erkundigten, waren die Eintrittskarten schon alle weg. Um nicht Trübsal zu blasen, gingen wir mit den Biochemiestudenten ins Kino. Der Film "To fast to furios" war genau das Richtige, um abzuschalten. Anschließend begaben wir uns in eine Salsabar. Nach einiger Zeit kamen auch andere Tagungsteilnehmer, die nach dem klassischen Konzert noch nicht gleich schlafen gehen wollten. Es war ein richtig schöner Abschlußabend.


Donnerstag, der 3. Juli:

Unser letzter Tag begann nach dem Frühstück wieder mit Vorträgen.
Die Themen waren diesmal:

1. "Netzwerke von Nervenzellen in der Hirnrinde und ihre Plastizität"
2. "Definieren minimalen Lebens"
3. "Membranproteine als Zielstrukturen in Agrikultur und Medizin"
4. "Einblick in die molekulare Evolution - praktische und philosophische Konsequenzen"
5. "Elektronentransferreaktion in Chemie und Biologie"
6. "Lernen wir zu sehen? Rolle der Natur und des Erlebens"

Leider mußten wir nach dem dritten Vortrag gehen, da Tobi und ich noch einiges für die Abschlußfeier zu erledigen hatten. Nachdem wir uns von den Biochemiestudenten verabschiedet und Adressen ausgetauscht hatten, holten wir unser Gepäck in der Pension ab. Tobi und ich fuhren die anderen zwei an den Bahnhof und nach längerer Verabschiedung machten wir uns auf den Nachhauseweg.

Es war wirklich ein einmaliges Erlebnis bei dieser Tagung dabei gewesen zu sein, mit den Leuten zu sprechen, seinen Namen auf der Teilnehmerliste, inmitten der ganzen Berühmtheiten, zu sehen und auch einmal zur "High Society" zugehören.
Die vier dort verbrachten Tage bleiben uns bestimmt noch sehr lange im Gedächtnis. Denn nicht nur die Themen der Vorträge waren sehr interessant, auch die "einfachen" Gespräche mit Wissenschaftlern aus aller Welt und verschiedenen Studenten waren mehr als beeindruckend. Obwohl wir als Abiturienten wahrscheinlich die jüngsten und zugleich die mit den wenigsten Kenntnissen im Bereich Medizin waren, wurden wir von den anderen Teilnehmern gut eingegliedert.
Kurz gesagt, es war eine unbeschreiblich gute Erfahrung!!!!

Tobias und Jasmin