Landesseminar 2007


Am Montag, den 12.02.2007 trafen wir Baden-Württemberger uns an der Johanna-Wittum-Schule, Abteilung biotechnologisches Gymnasium, in Pforzheim. "Wir", das war ein bunt gemischter kleiner Haufen von Schülern der verschiedensten Gymnasien und einer maximalen Altersdifferenz von sieben Jahren; was uns aber alle vereinte, das war die Motivation, bei der 3. Runde der Biologieolympiade in Kiel zu punkten und so waren wir gespannt, was uns die einzelnen Lehrer und Profs beibringen würden.

Viel Zeit zum Ankommen hatten wir nicht: Eine Brezel essen, was Trinken (aus Bechergläsern!) und 15 Minuten Vorstellungsrunde, dann ging`s los. Dr. Braun und drei engagierte Schüler hatten bereits alles gewissenhaft vorbereitet, sodass jeder an seinem Arbeitsplatz mit dem ersten Experiment zum Nachweis gentechnisch veränderter Lebensmittel mittels Gelelektrophorese sofort loslegen konnte. Unsere Vorkenntnisse und Übung im Umgang mit Pipette & Co variierten, was aber kein großes Problem war, denn mit etwas gegenseitigem Erklären und Zeigen hatten schnell alle raus, wie was funktioniert. Da die PCR einige Zeit brauchte um unsere DNA-Fragmente zu vervielfältigen, mussten wir diesen Versuch zwischenzeitlich ruhen lassen. Doch von Wartezeit war keine Rede, Dr. Braun hatte einen präzisen Zeitplan ausgearbeitet. Nach dem Mittagessen absolvierten wir Aufgaben aus dem Bereich Stoffwechselphysiologie. Die Zeit war knapp bemessen, also bedurfte es geschickter Planung. Als Tipp: Niemals Wartezeiten ungenutzt lassen! Besser währenddessen Theoriefragen beantworten, die immer zwischen die Versuche gemischt sind!


Eine kurze Nachbesprechung reflektierte, wo unsere Stärken bzw. Lücken waren. Sobald für die nächste - diesmal mikrobiologische - Prüfung umgeräumt war, hieß es wieder: "Gebt Euer bestes!" Hier sollten wir mit Hilfe verschiedener biochemischer Nachweismethoden unbekannte Bakterienkulturen einer Art zuordnen.

Nach der Nachbesprechung dieses Praktikums gab`s gottseidank Abendessen: Pizza! Das weckte die müden Lebensgeister und mein Kopf zeigte sich wieder kooperativer für die Fertigstellung unseres Nachweises gentechnisch veränderter Lebensmittel. Unsere Page-Gele zeigten nach der Gelelektrophorese und anschließender Färbung durchaus größtenteils die erwünschten Banden. Die Überraschung war der Reis, der gar keine Banden ergab. Die Lösung des Rätsels? Reis, der geschält wurde, besteht nur noch aus Stärke, deshalb ist keine DNA mehr enthalten, folglich kann auch keine nachgewiesen werden.


Nach einer nicht allzu langen Nacht ging`s am nächsten Morgen ab zur Universität Karlsruhe in die Zoologie. Wir wurden von Dr. Joachim Bentrop ins "Köhlern" und ins korrekte Zeichnen und Beschriften präparierter Insektengliedmaßen eingewiesen. Am Nachmittag galt es dann, verschiedene Arthropoden systematisch mit dem Brohmer zu bestimmen. Welcher Ordnung, Klasse, Familie und vielleicht noch Gattung oder gar Art gehörten die verschiedenen Kleintiere an? Selbst mithilfe des Binoculars und schematischen Zeichnungen im Brohmer gelangte man doch ganz schnell mal auf den Holzweg... - aber Dipl. Biol. Niko Windschnurer half uns stets, unsere Unsicherheiten zu überwinden. Mit den Schnecken, die wir anschließend z. T. noch zuordneten, taten wir uns etwas leichter, da die Gastropoda nicht so viele verschiedene zugehörige Arten umfassen wie z.B. die Insekten. Später machten wir uns noch daran, Miesmuscheln zu sezieren. Die prägnanten Teile wie Schloss, Fuß, Byssus und Kiemen waren gut zu erkennen, alle weiteren Kleinteile dagegen konnten wir aus dem restlichen Glibber nicht wirklich gut identifizieren.

Zum Abendessen waren wir im Restaurant in ehrwürdiger Gesellschaft: Prof. Dr. Reinhard Paulsen, Präsident des Verbands deutscher Biologen (VdBiol) und Prof. Dr. Hans Dieter Frei, Sprecher der Landesverbände des VdBiol waren nebst unseren "Lehrenden" erschienen, um uns Olympioniken kennen zu lernen. Als wir gegen 23 Uhr in der Jugendherberge angekommen waren klärte uns Marcel Vetter, letztjähriger Silbermedaillengewinner in Argentinien, noch über die erforderlichen statistischen Kenntnisse auf: Qi-Quadrat-Test, Rekombinationswahrscheinlichkeit, Hardy-Weinberg usw. - da war ich ziemlich geplättet, denn mit diesem Kapitel hatte ich mich noch kaum befasst. Aber es war gut, dass wir mit diesem Thema, das die meisten nicht sonderlich gut leiden können, konfrontiert wurden. Der dritte und letzte Tag stand im Zeichen der Botanik, und ich war überrascht, wie spannend und wunderschön das Pflanzenreich, das ich oft als langweilig angesehen hatte, doch sein konnte. Wir übten uns in jeglichen Pflanzenschnitten, im Anfärben und deuten dessen, was wir unter dem Mikroskop sahen. Das wissenschaftliche Hintergrundwissen trugen wir teils selbst zusammen, zum anderen Teil ergänzte Prof. Dr. Seyfried die Lücken und auch Tücken. Äquifacial, bifacial, unifacial, konzentrisch, offen kollateral, bikollateral - welches Leitbündel war was? Neben den Gewebemerkmalen erfuhren wir auch ganz spannende Strategien von Pflanzen, z. B. wie die echte Schlüsselblume (Primula veris) die Selbstbestäubung verhindert (männlich und weiblich spezifizierte Blüten, in denen jeweils Staubblätter oder Fruchtknoten oben liegen und das andere Geschlecht im Kelch versenkt ist). Die obligatorischen Blütenformeln durften natürlich auch nicht fehlen und alles in allem verging unsere Zeit bis wir wieder zum Bahnhof mussten viel zu schnell.

Soviel wie in diesen drei Tagen habe ich selten (wenn überhaupt?) gelernt, denn durch die tierischen und pflanzlichen Objekte und die praktische Anwendung prägten sich die vielen lateinischen Begriffe viel schneller ein, als bei meinem stundenlangen Büffeln zuhause. Es war toll, wie offen und mit welchem Engagement uns alle Wissenschaftler (zum Teil werdenden) begegnet sind. Fragen waren erwünscht und wurden immer zur vollsten Zufriedenheit beantwortet - wenn man bedenkt, dass das alles ehrenamtlich war, war das schon `ne richtig tolle und durchaus nicht selbstverständliche Leistung, für die ich mich bei dieser Gelegenheit bei all unsren "Lehrern", Martin Röck (Landesbeauftragter der IBO BW) und den Schülern des BTG Pforzheim ganz herzlich bedanken möchte. Die Begeisterung, mit der alle bei der Sache waren, hat für ein gutes und motivierendes Klima gesorgt und ich habe dieses Landesseminar - das ja bei Weitem nicht alle Bundesländer anbieten - sehr geschätzt und kann nur an alle Organisatoren sagen: "Haltet diese Tradition aufrecht - es hilft immens bei der Vorbereitung auf die dritte Runde und hinterließ bei mir als Teilnehmende eine sehr gute Erinnerung." An alle, die dazu eingeladen werden: " Nutzt die Chance - ihr erlebt so was wahrscheinlich nie wieder, es ist außerordentlich effektiv und macht großen Spaß!"

Astrid Kritzinger