Landesseminar der Internationalen Biologie Olympiade in Pforzheim und Karlsruhe


Am Montag, den 12.02.2007 "Wir machen mit, weil wir hier was erreichen, weil wir gewinnen wollen!" Mit diesen Worten motivierte StD Edgar Waldraff vom Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden Württemberg die diesjährigen baden-württembergischen Teilnehmer an der Internationalen Biologie Olympiade (IBO) für die weiteren Prüfungen denen sie sich in Kiel stellen müssen.

Bei der Internationalen Biologie Olympiade handelt es sich um einen Wettbewerb bei dem Schüler ihr Wissen und auch ihre praktischen Fähigkeiten auf dem weiten Feld der Biologie gegeneinander messen können. Die IBO ist in vier Runden gestaffelt, wobei in der 1. Runde vier Aufgaben bis zu einem bestimmten Abgabetermin von den Schülern unter Zuhilfenahme aller möglichen Hilfsmittel zu lösen sind. Die jeweiligen Klassenlehrer bewerten die eingebrachten Lösungsvorschläge ihrer Schüler und reichen die Ergebnisse an die jeweiligen Landesbeauftragten für die Biologie Olympiade weiter. Die Gewinnerinnen bzw. Gewinner der 1. Runde müssen in der 2. Runde in einer zweistündigen Klausur theoretische Aufgaben aus allen Gebieten der Biologie lösen. Die Bearbeitung der Aufgaben zur 2. Runde dient der Auswahl der etwa 45 besten deutschen Schüler für die 3. Runde in Kiel. Aus Baden-Württemberg sind dieses Jahr gleich 9 Schülerinnen und Schüler unter den besten 45 dabei. Die 3. Runde in Kiel dient dazu aus diesen 45 die 10 besten zu ermitteln. Aus diesen 10 werden dann in der 4. Runde die 4 besten ermittelt, welche dann die deutsche Mannschaft bilden und Deutschland bei der Internationalen Biologie Olympiade im indischen Mumbai vertreten.

Damit die baden-württembergischen Teilnehmer auf die 3. Runde in Kiel optimal vorbereitet sind, fand nunmehr zum 6. Mal in Pforzheim und Karlsruhe das Landesseminar statt. Vorwiegend diente das Landesseminar dazu die Schüler auf die kommenden Anforderungen in Theorie und vor allem in der Praxis vorzubereiten. Das Landesseminar startete am 11. Februar und dauerte insgesamt drei Tage. Begleitet wur-den die Schüler vom Landesbeauftragten für die Biologie Olympiade in Baden-Württemberg StD Martin Röck und Dipl-Biol. Thomas D. Dürr.

Den ersten Tag verbrachten die Bioolympioniken an der Johanna-Wittum Schule in Pforzheim. Im dortigen S1-Labor des Biotechnologischen Gymnasiums wurden unter Anleitung von StD Dr. Jürgen Braun Versuche zur Extraktion von Blattfarbstoffen, Mikrobiologie und zur Ermittlung des Molekulargewichts des fluoreszierenden Proteins GFP mittels SDS-Polyacrylamid-Gelelektrophorese durchgeführt. Die Besonder-heit dieser Versuche lag darin, dass sie unter denselben Bedingungen wie sie in Kiel vorherrschen, stattfanden. Das Landesseminar dient somit primär dazu die praktischen Fähigkeiten der Schüler zu vertiefen. So war dies für einige Schüler eine Gelegenheit zum ersten Mal eine Mikroliterpipette zu bedienen oder das Prinzip der Gelelektrophorese praktisch anzuwenden.

Der zweite und dritte Tag führte die Schüler an die Universität in Karlsruhe (TH), wo sie ein vielfältiges Programm erwartete. Nach der Begrüßung durch Dr. Joachim Bentrop von der Abteilung für Zell- und Neurobiologie des Instituts für Zoologie mussten die Schüler verschiedene Arthropoden-Gruppen mit Hilfe eines Bestimmungs-schlüssels ihren entsprechenden taxonomischen Klassen zuordnen. Vielfältige Hilfe erfuhren sie dabei durch Dipl.-Biol. Niko Windschnurer. Dieses Praktikum ist sehr wichtig und seit Jahren fester Bestandteil des Landesseminars, weil in vielen deut-schen Lehrplänen dieses Gebiet der "klassischen" Biologie nicht mehr vertreten ist, es aber den internationalen Anforderungen der Biologie Olympiade entspricht.

Nach dem Mittagessen in der Karlsruher Mensa standen eine Einführung in das Lichtmikroskop und die Präparation von Mundwerkzeugen und Extremitäten verschiedener Insekten auf dem Programm. So sollten die Teilnehmer anhand der verschiedenen Mundwerkzeuge unter anderem Rückschlüsse auf die unterschiedlichen Lebensweisen der untersuchten Gliedertiere ziehen.

Feste Tradition ist es mittlerweile geworden diesem sehr praktisch ausgerichteten Tag abends Vorträge aus den verschiedensten Bereichen der Biologie folgen zu lassen. So referierten bis spät in die Nacht der ehemalige Teilnehmer an der Biologie Olympiade, Marcel Vetter und Dipl.-Biol. Thomas D. Dürr über mathematische und statistische Methoden in der Biologie und über Entwicklungsbiologie.

Der zweite Tag in Karlsruhe war der Botanik gewidmet. Unter der Leitung von Dr. Max Seyfried ging es um die Morphologie und Systematik von Pflanzen. So mussten von den Bioolympioniken verschiedene Präparate, wie zum Beispiel Blatt- und Wurzelquerschnitte, angefertigt werden. Die Präparation biologischer Materialien und die anschließende mikroskopische Untersuchung gehören zu den wesentlichen Anforderungen der IBO.

Nachmittags stand noch eine Führung durch die Abteilung für Zell- und Neurobiologie an der Universität Karlsruhe (TH) an, bei der den Teilnehmern der Biologie Olympiade ein Einblick in die aktuelle Forschung des Instituts gewährt wurde. Die Abschlussveranstaltung zu der auch die Lehrer und Eltern der Schüler geladen waren, fand dieses Jahr im Gebäude der Bundesforschungsanstalt für Ernährung und Lebensmittel (BFEL) statt. Nach einer Einführung durch den Landesbeauftragten Martin Röck, in welcher er sich nochmals bei allen Mitwirkenden und Unterstützern bedankte, folgten kurze Grußworte der Vertreter des Verbands der Biologie, Biowissenschaften & Biomedizin Deutschland (VBIO). Der Landesverband des VBIO unterstützt das Landesseminar und die Internationale Biologie Olympiade seit Jahren. Der Landesvorsitzende Prof. Dr. Hans Dieter Frey unterstrich nochmals die Bedeutung welcher der Verband dieser Veranstaltung beimisst. Als 1. Vizepräsident des VBIO auf Bundesebene und ehemaliger Leiter der Abteilung für Zell- und Neurobiologie und somit früherer "Gastgeber" an der Universität Karlsruhe (TH) richtete Prof. Dr. Reinhard Paulsen einige Worte an die jungen Bioolympioniken, in denen er die Arbeit des Verbandes in knappen Worten schilderte. Als letzter Redner sprach der Vertreter des Ministeriums für Kultus, Jugend und Sport Baden Württemberg StD Edgar Waldraff. Er betonte den "hohen Stellenwert", den das Landesseminar für das Ministerium hat und würdigte die Leistung der Schülerinnen und Schüler aber auch der zahlreichen Unterstützer und Helfer beim Landesseminar. Zum Ausklang informierte der Landesbeauftragte StD Martin Röck die Anwesenden über die vergangenen Tage und über den weiteren Ablauf der Internationalen Biologie Olympiade. Als besonderes "Bonbon" gab StD Martin Röck die Namen derjenigen bekannt, welche aufgrund ihrer besonderen Leistungen, an der Tagung der Nobelpreisträger in Lindau teilnehmen dürfen. Die Chance auf ein Treffen mit diesen berühmten Wissenschaftlerinnen bzw. Wissenschaftlern haben Christian Pelant, Charlott-Amélie Teutsch, Kathrin Götz, Sabine Braun und Christoph Walter erhalten.

Die Tage des Landesseminars waren sicherlich anstrengende und arbeitssame Tage und für alle Beteiligten auf gar keinen Fall etwas alltägliches. Doch bestimmt hat bei allen das Gefühl vorgeherrscht, dass das vermittelte Wissen hilfreich sein wird und der eine oder andere ehrgeizige Teilnehmer wird auch trotz oder gerade wegen den gestellten Herausforderungen Spaß empfunden haben.

Wir wünschen an dieser Stelle allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern einen erfolgreichen Verlauf im weiteren Wettbewerb und die Motivation sich mit der schönen Biowissenschaft weiterhin zu beschäftigen!

Thomas D. Dürr