Großer Erfolg bei der Internationalen Biologie Olympiade in Baden-Württemberg - Das Landesseminar 2009


"Das konnte ich selbst bis zuletzt nicht glauben!" Mit diesen Worten kommentierte Tonio Schaffert aus Staufen sein hervorragendes Abschneiden bei der diesjährigen dritten Runde der Internationalen Biologie Olympiade (IBO) in Kiel. Er und drei weitere Schüler haben es unter insgesamt sieben Teilnehmern aus Baden-Württemberg unter die besten Bioolympioniken in ganz Deutschland geschafft.

Bei der Internationalen Biologie Olympiade handelt es sich um einen Wettbewerb bei dem Schüler ihr Wissen und auch ihre praktischen Fähigkeiten auf dem weiten Feld der Biologie gegeneinander messen können. Die IBO ist in vier Runden gestaffelt, wobei in der 1. Runde vier Aufgaben bis zu einem bestimmten Abgabetermin von den Schülern unter Zuhilfenahme aller möglichen Hilfsmittel zu lösen sind. Die jeweilgen Klassenlehrer bewerten die eingebrachten Lösungsvorschläge ihrer Schüler und reichen die Ergebnisse an die jeweiligen Landesbeauftragten für die Biologie Olympiade weiter. Die Gewinnerinnen bzw. Gewinner der 1. Runde müssen in der 2. Runde in einer zweistündigen Klausur theoretische Aufgaben aus allen Gebieten der Biologie lösen. Die Bearbeitung der Aufgaben zur 2. Runde dient der Auswahl der etwa 45 besten deutschen Schüler für die 3. Runde in Kiel. Aus Baden-Württemberg waren dieses Jahr gleich sieben Schülerinnen und Schüler unter den besten 45 dabei. Es sind dies Ilia Kats aus Karlsruhe, Tonio Schaffert vom Faustgymnasium Staufen, Charlott-Amélie Teutsch vom Friedrich-List-Gymnasium Reutlingen (diese drei waren auch schon im letzten Jahr beim Landesseminar dabei), Sascha Winkler, auch vom Friedrich-List-Gymnasium Reutlingen, Stephanie Glück von der Liebfrauenschule Sigmaringen, Jeremias Sibold von der Merianschule Freiburg und Nils Klughammer vom Georg-Büchner-Gymnasium Rheinfelden. Die 3. Runde in Kiel dient dazu aus diesen 45 die zwölf besten zu ermitteln. In diesem Jahr sind unter diesen zwölf gleich vier aus Baden-Württemberg (Tonio, Ilia, Charlott-Amélie und Nils.). Aus diesen zwölf werden dann in der 4. Runde die 4 besten ermittelt, welche dann die deutsche Mannschaft bilden und Deutschland bei der Internationalen Biologie Olympiade in Japan vertreten.

Zur optimalen Vorbereitung der Teilnehmer auf die 3. Runde in Kiel wurde auch in diesem Jahr wieder, nunmehr zum 7. Mal in Pforzheim und Karlsruhe das Landesseminar abgehalten. Vorwiegend dient das Landesseminar dazu die Schüler auf die kommenden Anforderungen in Theorie und vor allem in der Praxis vorzubereiten. Das Landesseminar startete am 17. Februar in Karlsruhe und dauerte insgesamt drei Tage. Begleitet wurden die Schüler vom Landesbeauftragten für die Biologie Olympiade in Baden-Württemberg StD Martin Röck.

Der zweite Tag führte die Bioolympioniken an die Universität in Karlsruhe (TH), wo sie ein wie immer vielfältiges und auf die Erfordernisse der IBO zugeschnittenes Programm erwartete. Nach der Begrüßung durch Dr. Joachim Bentrop von der Abteilung für Zell- und Neurobiologie des Instituts für Zoologie mussten die Schüler verschiedene Tiergruppen mit Hilfe eines Bestimmungsschlüssels ihren entsprechenden taxonomischen Klassen zuordnen. Vielfältige Hilfe erfuhren sie dabei auch in diesem Jahr durch Dipl.-Biol. Niko Windschnurer. Nach dem Mittagessen standen eine Einführung in das Lichtmikroskop und die Präparation von Mundwerkzeugen und Extremitäten verschiedener Insekten durch Dr. Joachim Bentrop auf dem Programm.

Eine Tradition ist es mittlerweile geworden diesem sehr praktisch ausgerichteten ersten Tag in Karlsruhe abends Vorträge aus den verschiedensten Bereichen der Biologie folgen zu lassen. So referierte und diskutierte man bis spät in die Nacht. Dipl.-Biol. Thomas D. Dürr informierte in seinen Abendvorträgen über statistische Methoden in der Biologie und über die Spezielle Zoologie von Mollusken und Anneliden.

Den zweiten Tag verbrachten die Bioolympioniken ebenfalls traditionell an der Johanna-Wittum Schule in Pforzheim. Im dortigen S1-Labor des Biotechnologischen Gymnasiums wurden unter Anleitung von StD Dr. Jürgen Braun Versuche zur Extraktion von Blattfarbstoffen, Mikrobiologie und zur Ermittlung des Molekulargewichts von Antikörpern mittels SDS-Polyacrylamid-Gelelektrophorese durchgeführt. Das Besondere an diesen Versuchen lag darin, dass sie unter ähnlichen Bedingungen wie sie in Kiel vorherrschen, stattfanden. Das Landesseminar dient somit vor allem dazu die praktischen Fähigkeiten der Schüler zu vertiefen. So war dies für einige Schüler eine Gelegenheit zum ersten Mal eine Mikroliterpipette zu bedienen.

Der dritte Tag des Landesseminars war botanischen Studien in an der Universität Karlsruhe gewidmet. Unter der Leitung von Dr. Max Seyfried ging es um die Morphologie und Systematik von Pflanzen. So mussten von den Bioolympioniken verschiedene Präparate, wie zum Beispiel Blatt- und Wurzelquerschnitte, angefertigt werden. Die Präparation biologischer Materialien und die anschließende mikroskopische Untersuchung gehören zu den wesentlichen Anforderungen der IBO. Auch fand sich wieder eine sehr ausgewogene Mischung aus Theorie und Praxis.

Die Abschlussveranstaltung zu der auch die Lehrer und Eltern der Schüler geladen waren, fand dieses Jahr im Gebäude des Max-Rubner-Instituts statt. Nach einer Einführung durch den Landesbeauftragten Martin Röck, in welcher er sich nochmals bei allen Mitwirkenden und Unterstützern bedankte, folgten kurze Grußworte des Vertreters des Verbands der Biologie, Biowissenschaften & Biomedizin Deutschland (VBIO), Prof. Reinhard Paulsen. Der Landesverband des VBIO unterstützt das Landesseminar und die Internationale Biologie Olympiade seit Jahren mit großem Erfolg und hohem Engagement. Als weiterer Gast war Frau Wunderlich vom Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden Württemberg anwesend. Sie würdigte die Leistungen der Schülerinnen und Schüler beim Landesseminar mit herzlichen Worten und zeigte den Teilnehmern die Anerkennung des Ministeriums.

Als Fazit des diesjährigen Landesseminars lässt sich festhalten, dass sich alle Anstrengungen gelohnt haben. Dies gilt sowohl für die zahlreichen Helfer, wie natürlich auch für die erfolgreichen Bioolympioniken. Ein Zitat von Tonio zum Schluss möge dies belegen: "Vielen Dank noch mal an dieser Stelle, ich glaube es war tatsächlich vorwiegend das Landesseminar, welches uns alle dorthin gebracht hat..." Mit "dorthin" ist natürlich die sehr erfolgreiche Teilnahme in Kiel gemeint.


Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Landesseminars 2009 im Labor der Johanna-Wittum-Schule in Pforzheim.
Von links nach rechts: Hintere Reihe: StD Dr. Jürgen Braun, Stephanie Glück, Nils Klughammer, Jeremias Sibold, StD Martin Röck,
vordere Reihe: Ilia Kats, Tonio Schaffert, Charlott-Amélie Teutsch und Sascha Winkler.

Wir wünschen an dieser Stelle allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern einen erfolgreichen Verlauf im weiteren Wettbewerb und die Motivation sich mit der schönen Biowissenschaft weiterhin zu beschäftigen!

Thomas D. Dürr