Bericht von der 57. Nobelpreisträgertagung in Lindau 2007


In Lindau findet alljährlich eine Tagung der Nobelpreisträger statt, zu welcher viele hundert Studenten aus aller Welt eingeladen werden. Seit nunmehr vier Jahren ermöglicht das Land Baden-Württemberg auch seinen Schülern, welche die 3. Runde der Biologieolympiade erreicht haben die Teilnahme an diesem Ereignis.

Der Schwerpunkt der diesjährigen Veranstaltung war "Medicine or Physiology". Nicht weniger als 15 Nobelpreisträger aus Medizin und Chemie trafen für eine Woche auf über 500 "Young Researchers" (Studenten, Doktoranden und natürlich uns) aus mehr als 60 Nationen.

Das Programm umfasste faszinierende Vorträge und lebhafte Diskussionen der Nobelpreisträger, in denen auch Fragen der Studenten gerne sehr ausführlich beantwortet wurden. Diese zielten nicht nur auf die wissenschaftlichen Spezialgebiete sondern waren oftmals auch persönlich oder betrafen soziale, politische sowie ökologische Themen. Nicht selten wurden auch Tipps für die eigene wissenschaftliche Karriere mit auf den Weg gegeben. Daneben fanden auch Podiumsdiskussionen zwischen den Nobelpreisträgern statt, wobei für alle Beteiligten auch hier die Möglichkeit bestand die Debatte mittels eigener Anregungen in die eine oder andere Richtung zu lenken.

Darüber hinaus fand zum ersten Mal ein so genannter "Bazar" statt, welcher den Studenten erneut , natürlich auch uns, die Möglichkeit bot mit den in Stockholm ausgezeichneten Wissenschaftlern in direkten Kontakt zu treten. Dem Austausch zwischen Wissenschaftlern von heute und morgen wurde während der gesamten Woche sehr viele Gelegenheiten geboten, sei es während des Essens, in den Pausen oder auf dem Abschlussausflug auf die Insel Mainau. Für uns Schüler waren auch die Informationen zum Studium und wissenschaftlichem Arbeiten, die wir in Gesprächen mit Studenten oder Doktoranden erhalten haben äußerst hilfreich. Gleich ob man Medizin, Biologie, Biochemie, Biotechnologie oder Bioinformatik studieren möchte, dort fand man auf jeden Fall jemanden der darin bereits Erfahrungen gesammelt hat und diese gerne weitergibt.

Es fanden jedoch nicht nur rein wissenschaftliche Veranstaltungen statt. So begann die Woche mit einer Eröffnungszeremonie, in welcher die Forschungsregion NRW vorgestellt wurde. Im Anschluss daran wurde zum Tanz aufgerufen, welcher in Lindau bereits Tradition ist und worauf sich die Konferenzteilnehmer bereits im Vorhinein freuen. Außerdem gab es am vorletzten Abend ein Konzert mit klassischer Musik. Daneben bestand die Möglichkeit an einer sehr interessanten Führung durch Lindau teilzunehmen und so einiges über die ereignisreiche Geschichte Lindaus zu erfahren. Am letzten Tag fuhren wir zusammen mit den anderen Konferenzteilnehmern auf die Insel Mainau, um dort unter anderem von der Gräfin Sonja Bernadotte verabschiedet zu werden.

Die internationale Atmosphäre, der direkte Kontakt zu den Top-Wissenschaftlern von heute und morgen sowie die gute Organisation haben diese sechs Tage zu einem unvergesslichen Erlebnis werden lassen. Es passierte schon einmal, dass auf einmal Prof. Mello vor uns stand oder die tiefe Stimme von Prof. Murad direkt hinter uns zu hören war, der den Nobelpreis für die Entdeckung des ersten gasförmigen Hormons erhielt.
Danach fühlten wir uns in unseren Bestrebungen in die Forschung zu gehen bestärkt und werden auf alle Fälle als Student oder Doktorand erneut versuchen an diesem in Deutschland leider sehr unbekannten Event teilzunehmen.

Marcel Vetter